|
«Em Jeisi Migger sy Guggemuusig». Die Geschichte der ältesten, noch aktiven Guggenmusik Basels. Emil (Migger) Jeisi, Pfeiferchef bei den «Alte Stainlemer» Seit 1919 Mitglied bei der Fasnachtsclique «Alti Stainlemer», war Emil Jeisi von 1925 bis 1934 deren Pfeiferchef. 1930 initiierte er den Fasnachts-Marsch «Klopfgaischt», der dann durch den Musikdirektor Schell in Piccolonoten umgesetzt wurde. Die Trommelnoten dazu schrieb der Tambourenchef der Alten Stainlemer, Paul «Bolle» Leder. Am Drummeli im selben Jahr wurde der Marsch dann uraufgeführt.
|
Jeisi Chronik als PDF-File |
||||
|
1926: Em Jeisi Migger sy Guggemusig erscheint
Am Fasnachtsdienstag 1926 trat die von Emil (Migger) Jeisi im selben Jahr gegründete Guggenmusik erstmals auf. Eindrücklich war Migger Jeisi’s Erscheinung: als Dirigent in Frack und Zylinder, mit Bart und Brille (keine Larve!) sowie einem Dirigentenstock. Viele seiner «Guggenmusiker» waren Mitglieder der Alten Stainlemer, die am Fasnachtsmontag und -Mittwoch in der Clique trommelten und pfiffen und denen die Pause am Fasnachtsdienstag viel zu lange war. Daher blieben auch alle späteren Auftritte der Jeisi-Migger Guggenmusik stets auf den Fasnachts-Dienstag beschränkt. Schon bald nach ihrer Gründung wurde die Jeisi-Migger Guggenmusik während über 25 Jahren zu einem festen Programm-Bestandteil des «Monstre», der grossen Vorfasnachtsveranstaltung im Küchlin-Theater. An der sogenannten «Konservenfasnacht» 1940 bis 1945, wo wegen der Kriegsjahre keine Strassenfasnacht stattfinden konnte, spielten die Jeisi-Migger ausschliesslich an geschlossenen Anlässen (Masken-Bällen), die in Beizen und Wirtschaften stattfanden. Dies nicht zuletzt dank Emil Jeisi’s Beziehungen, betrieb er ja ebenfalls eine Wirtschaft: Anfänglich das Restaurant Thorsteinen bei der Heuwaage, dann das Restaurant Schnabel und zuletzt die Express-Bar (heutige «Schluggstube») im Gerbergässlein. An der ersten Nachkriegsfasnacht 1946, nahmen die Jeisi-Migger erstmals – und dann für lange Zeit einmalig – am Cortège teil, jedoch ohne sich beim Fasnachts-Comité anzumelden. Dazu gab es auch keinen Grund, waren die Guggenmitglieder ja normalerweise am Fasnachts-Montag und -Mittwoch bei Ihren Cliquen verpflichtet. Daher trat diese Guggenmusik weiterhin nur am Fasnachtsdienstag und gelegentlich bei speziellen Anlässen in Erscheinung. |
Die ersten Guggenmusiken in Basel Um die Jahrhundertwende 1900 darf die Existenz von Guggenmusiken in Basel als sicher angenommen werden, wird doch in einem Artikel der damaligen National-Zeitung (Nr. 44, 21.2.1902) vermerkt, dass am Mittwochnachmittag die «Wasserwerkler-Musik» grosse Heiterkeit erzeugte. Ab 1907 werden Guggenmusiken am Morgenstreich beschrieben. In den Jahren nach 1918 waren Guggenmusiken offensichtlich eher am Morgenstreich und Abends unterwegs. Ebenso waren ab 1909 Musiken (Guggenmusiken?) in geschlossenen Räumen, Wirtschaften und Bällen sowie an Vorfasnachts-Veranstaltungen zu hören. Der Fasnachtsdienstag war in den 20-er Jahren ein normaler Arbeitstag, lediglich am Nachmittag fanden Kindermaskenbälle statt. Zwar existierten bereits einige Guggenmusiken, doch verschwanden diese alle bis Ende der 30-er Jahre. Wie der Fasnachtsdienstag zum «Guggezyschtig» wurde Bekanntlich durfte an diesem Dienstag nicht getrommelt und gepfiffen werden, er galt als eigentlicher Ruhetag mit Laternen-ausstellung, mit Kinderfasnacht und abends Saalfasnacht. Die 1946 ebenfalls aus den Cliquen «Alti Schnooggekerzli» und den «Schnooggekerzli» gegründete «46-Guggemuusig» begann trotzdem schon bald auch am Dienstag zu spielen. So zogen die 46-er erstmals 1948 mit rund 100 Teilnehmern durch die Stadt, gaben auf dem Marktplatz ein Platzkonzert und anschliessend im Hotel Dreikönig den Guggenball. Schon 1950 folgten einige weitere Guggenmusiken, welche ebenfalls Platzkonzerte zu geben begannen. 1952 wurde in Folge erstmals am Dienstagabend eine Innenstadt-Verkehrssperrung verfügt, der «Gugge-Zyschtig» war geboren. Für die Jeisi-Migger bedeutete dies, dass sie jetzt unbehelligt spielend durch die Stadt zu ihren Auftrittsorten marschieren konnten. |
||||
|
Mit Frack und Zylinder am zweiten Bummelsonntag Nach dem Tod Emil Jeisi im Jahr 1953 beschlossen die verbliebenen Mitglieder, die Guggenmusik genau so weiterzuführen und zu Ehren Ihres Gründers und Dirigenten fortan sein Markenzeichen – den Frack oder Gehrock mit Zylinder – zu tragen. Dies besonders am zweiten Bummelsonntag (ab 1957), was bis heute zu ihrem unverwechselbaren Erscheinungsbild gehört.
Ausserdem wurde das Motiv der offiziellen Fasnachtsplakette «Schyssdräggzygli» von 1926 (entworfen von Otto Buser) als Erkennungszeichen eingeführt. In der Folge trugen alle späteren Dirigenten fortan an der Fasnacht und bei Auftritten diese grosse Plaketten-Nachbildung, eingehängt in einem Metallring, an einer schweren Kette um den Hals.
|
Bummelsonntage für Guggenmusiken erst ab 1957 Anfänglich war das Musizieren für Guggenmusiken an den Bummelsonntagen nicht gestattet. 1957 wurde dann die Teilnahme am ersten und zweiten Bummelsonntag erlaubt. Die Jeisi-Migger wählten den zweiten Bummelsonntag (der dritte Bummelsonntag wurde erst später, 1962, für die Guggenmusiken freigegeben). |
||||
|
Kostüme und Sujets Seit der Gründung blieb das Erscheinungsbild der Jeisi-Migger konstant. Der Dirigent (bis zu seinem Tod 1953 Emil Jeisi selber) führte die Spieler mit Frack – behangen mit Orden und Schärpe – mit Zylinder und Taktstock an. Dabei trug Emil Jeisi nie eine Larve, sondern nur einen künstlichen Bart und eine Brille mit dickem Rand. Nachfolgende «Dirigenten» trugen später eine sog. Jeisi-Larve von Charlotte Burri, die einen älteren Mann mit Zylinder darstellte, die jedoch nicht das reale Abbild von Emil Jeisi darstellte. Die Spieler trugen stets individuelle Kostüme (Charivari). Dies wurde bis 1975 konsequent so weitergeführt. 1976 erscheint erstmals der Dirigent mit einer übergrossen Jeisi-Larve, gefolgt von einheitlichen Clowns. Auch später waren Einheitskostüme eher die Ausnahme, es wurde immer wieder das traditionelle Erscheinungsbild bevorzugt. Denn bis in die 70-er Jahre existierte keine eigentliche Kasse mit Kassier, daher wurden teure Anschaffungen (nur wegen eines Tages) von den Mitgliedern stets verworfen. Sie beteiligten sich ja nicht am Cortège und mussten daher auch kein Sujet ausspielen. Ab den 90-er Jahren wurden dann häufiger mehr oder weniger originelle und auch eigenwillige Kostüme getragen, häufig jedoch in individuell stark variierter Form. Doch immer wieder fanden die Jeisi-Migger zum ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild zurück. Einzig an den runden Jubiläumsjahren gönnten sich alle den Frack mit Zylinder, sei es mit einer extra von der bekannten Larven-künstlerin Charlotte Burri gefertigten Jeisi-Larve oder ab 1996 mit der sehr exklusiven «Tinquely»-Halblarve in Weiss aus der Zeit der «Kuttlebutzer»... |
|||||
Entwicklung der Anzahl Jeisi-Migger Mitglieder Ende der 60-er Jahre nahm die Mitgliederzahl wieder laufend zu. Sie erreichte in den 70-ern über 20 Spieler, um sich dann in den 80-er Jahren auf die angestrebte Anzahl von ca. 26 Mitgliedern (eine Referenz an das Gründungsjahr) bis zum heutigen Zeitpunkt einzupendeln. Die Jeisi-Migger blieben stets eine reine Männergugge, das auch in stiller Übereinkunft. Die Geschichte macht es wohl erklärbar: Entstanden aus einer damals reinen Männerclique blieb diese spontane und vom übrigen Fasnachtsbetrieb stets unabhängige Formation (ohne Vereinsstruktur) ein nach Aussen hin undurchschaubares, ja beinahe ein anarchisches Phänomen. So war im Gegensatz zu den gestandenen Cliquen und Guggenmusiken die Nachwuchsförderung nie ein Thema, das vermutlich zur Integration von Frauen hätte führen können (notabene wurden die Jeisi-Migger auch nie angefragt). Speziell – jedoch nicht elitär Oftmals wurde den Jeisi-Miggern eine etwas elitäre Haltung (Edelgugge) nachgesagt oder medial zugeschrieben, was aber so nicht stimmt: Durch ihre spezielle Geschichte geprägt, wollten sich die Jeisi-Migger nie zu einer zu grösseren Formation entwickeln. Dies ist einerseits dem Stil des Repertoires geschuldet, der damals – heute noch ausgeprägter – vom Jazz beeinflusst ist. Andererseits entspricht es der gelebten Tradition, bei kleineren Veranstaltungen und in Lokalen auftreten zu können. Den Kreis potentieller Neumitglieder schränkt zudem auch die Tatsache ein, das jüngere, aktive Fasnächtler oft nicht nur am Fasnachts-Dienstag aktiv sein wollen. Und da sich dieser Tag auch für Trommler und Pfeifer in der Zwischenzeit zu einem vollwertigen Fasnachtstag entwickelt hat, steht auch dieses Reservoir seit Längerem nicht mehr zur Verfügung. Als Neumitglieder finden sich somit eher bestandene Fasnächtler, die sich einen schönen und intensiven «Gugge-Zyschtig» gönnen wollen, um die beiden übrigen Fasnachtstage anderweitig geniessen zu können. Und so machen die Jeisi-Migger nun seit 100 Jahren ihr eigenes Ding, immer ihrer Tradition verpflichtet. |
Mitgliederwerbung
|










